Spieler, Trainer und Betreuer der                                                           Erlenbach, 7. März 2008

1. Mannschaft des SV Erlenbach 1919 e.V.

 

 

Offener Brief

über Main-Echo, Main-Post, AB-Kick.de, Kick-Ticker.de,

 

 

An die

Herren

 

Christof Hille, Spielgruppenleiter Bezirk Unterfranken,

Friedrich Weller, Vorsitzender des Bezirkssportgerichtes und die Herren Beisitzer

 

 

Nichtanreise der 1. Mannschaft des SV Erlenbach zum Nachholspiel beim TSV Abtswind am 1. März 2008 wegen Orkanböen und Sturmschäden (Höhere Gewalt)

 

 

Sehr geehrte Herren,

 

mit großem Befremden haben wir im Laufe der Woche die Diskussion um das Nichtantreten von uns beim TSV Abstwind am vergangenen Samstag verfolgt. Dass das Spiel nicht neu angesetzt wird und jetzt zur Entscheidung beim Sportgericht liegt, können wir noch weniger verstehen.

 

Da die Diskussion darüber sehr verzerrt wider gegeben wird, wollen wir aus unserer Sicht den Sachverhalt und die Entscheidungsgründe nicht intern, sondern öffentlich darlegen:

 

Am vergangenen Samstag, 1. März war für die Mannschaft um 12.00 Uhr Treffpunkt, anschließend Abfahrt, wie immer am Sportheim des SV Erlenbach. Als die ersten Verantwortlichen gegen 11.30 Uhr zum Sportheim fahren wollten, war dies nicht möglich, da beide Zufahrten zum Sportheim durch umgestürzte Bäume blockiert war. Was war passiert ? Zwischen ca. 07:30 bis ca. 08:00 Uhr fegte ein Orkanartiger Sturm, später wurde in den Medien von bis zu 9 Sturmstärken berichtet, über den bayerischen Untermain, wobei Erlenbach sehr stark betroffen wurde. Die Feuerwehr und das örtliche THW waren den ganzen Tag im Einsatz.

 

Nach und nach trafen die Spieler zu Fuß am Sportheim ein. Dabei musste man an umgestürzten Bäumen und umher liegenden Ästen vorbei, um auf den Parkplatz des SV Platzes zu kommen. Dort lag ein weiterer umgestürzter  Baum, der den Vereinbus getroffen hatte. Während wir auf dem Parkplatz standen, machte sich unter allen Beteiligten ein mulmiges Gefühl breit. Denn der Wind hatte bei Weitem nicht aufgehört. Immer wieder gab es Böen, die durch die umstehenden Bäume pfiff. Das Knacken von Bäumen und Ästen machte die Situation gespenstisch. Alle waren bedacht nicht in der Reichweite von Bäumen zu stehen, falls diese umstürzen sollten. Einige gingen sogar sicherheitshalber in das Spielfeld, hinter die Bande, um auf jeden Fall sicher zu sein.

Dazu kamen weitere Informationen, dass zwischen 7:30 Uhr und ca. 9:00 Uhr die Staatsstraße zwischen Elsenfeld und Erlenbach wegen umgestürzter Bäume gesperrt war. Laut dem Lokalsender Radio Primavera waren um 12.00 Uhr noch weitere Straßen in den Landkreisen Miltenberg und Aschaffenburg, vor allem im Spessart gesperrt. Es wurde davor gewarnt, dass weitere Bäume umstürzen könnten, zumal die Sturmwarnung Aufrecht erhalten wurde und es keine Entwarnung gab !

Vor diesem Hintergrund gab es nur eine kurze Diskussion über ein Antreten. Kaum einer der Beteiligten, wir waren vollzählig versammelt, hatte den Mut sich in ein Auto zu setzen und den für uns zu diesem Zeitpunkt riskanten Weg anzutreten. Deshalb unterstützten wir die Entscheidung unseres Vorstandes in vollem Umfang ! Unserer Vereinsführung jetzt Unfähigkeit vorzuwerfen, trifft auch uns. Das ist völlig daneben.

 

Jede Annahme oder Unterstellung, dass es andere (z.B. sportliche) Gründe für unseren Entschluss gab, entbehren jeglicher Grundlage ! Es ist nun mal ein himmelweiter Unterschied, ob man solche Bilder am Fernseher sieht oder diese hautnah und live erlebt.

 

Wir laden jeden Zweifler herzlich gerne nach Erlenbach ein und zeigen jedem, die noch heute unübersehbaren Schäden in und um das Sportgelände des SVE. Wer sieht,welche Kräfte dort an diesem Samstag gewirkt haben, wird nicht unbeeindruckt bleiben. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durch den Erlenbacher Stadtwald.

 

Vor diesem Hintergrund muss man überhaupt die Frage aufwerfen, warum die Orkanwarnung nicht ernst genommen wurde und der Spieltag bereits am Freitag abgesagt wurde ? Das Argument Aubstadt sei auch nach Keilberg gefahren, zählt für uns nicht ! Die Mehrheit der angesetzten Spiele in Nordbayern fand nicht statt. Die, die statt fanden unter größtenteils irregulären Bedingungen. Dass keinem Spieler, sowohl auf der Anreise, als auch während des Spiels etwas passiert ist, sollte die Verantwortlichen dazu veranlassen in Münsterschwarzach einige Kerzen zu stiften und Dank zu sagen. Oder hat man da schon gewusst, dass der Orkan nachmittags nur noch in Südbayern aufkommt !

 

Wir wollten auf jeden Fall nicht mit unserem Leben spielen lassen !

Alle Geschichten um diverse Spielsabsagen, ob berechtigt oder unberechtigt, ob zum ersten oder zweiten Mal und alle Befindlichkeiten der Verantwortlichen interessierte uns am Samstag gegen 12:00 Uhr definitiv nicht ! Auch ein möglicher Nachholtermin an einem ungeliebten Mittwoch spielte überhaupt keine Rolle.

Keiner der Beteiligten hatte so etwas schon mal hautnah gesehen oder erlebt – es wird unvergessen bleiben.

Uns war einfach mulmig in unserer Haut. Ja, einige hatten sogar Angst. Wer hätte uns denn garantiert, dass nachmittags nichts mehr passiert. Die Vorhersagen lauteten anders !

 

Wen dies nicht interessiert – der interessiert sich auch nicht für unseren Sport.

Auch von Fairplay soll hier die Rede sein, das immer eingefordert wird. Dies gilt auch für den TSV Abtswind. Die hatten nämlich schon vorab gegen 10:00 und 11:00 Uhr von schwierigen Bedingungen (heute noch auf der Homepage zu lesen) uns gegenüber berichtet, u.a. war auch von herunter gefallenen Ästen auf dem Spielfeld die Rede. Lediglich der Druck des Spielgruppenleiters wurde als Nichtabsagegrund angeführt. Deshalb war man am Samstag froh, dass von uns abgesagt wurde, da das Heimspielrecht dadurch nicht verloren ging (O-Ton !). Doch bereits am Sonntag änderte man die Meinung, um nach dem Sportgericht zu rufen. Woher kommt der Sinneswandel ?

Und warum wurde unser Vorstand nicht schon am Samstag bei unserer Absage vom Spielgruppenleiter darauf aufmerksam gemacht, was auf uns zukommen könnte. Wir hätten sofort z.B. den Kreisspielleiter oder jemand Anderen als „amtlichen“ Zeugen hinzu rufen können.

 

Sei es drum: Wir nehmen es wie es kommt. Wenn das was wir erlebt haben, keine höheren Gewalten waren und unsere Erlebnisse und Befindlichkeiten nicht ernst genommen werden, dann muss man sich fragen lassen, wer hier eigentlich für wen da ist ! Wir wollen kein Spielball von sportpolitischen Überlegungen sein !

 

Wir würden auf jeden Fall in einer solchen Ausnahmesituation mit unserem Verein wieder so entscheiden. Zum genannten Zeitpunkt gab es keine Alternative. Nicht früher und nicht später ! Wir stehen zum sportlichen Wettkampf bereit. Wenn man uns lässt !

 

 

Mit sportlichen Grüßen und in der Hoffnung auf Fair Play

 

 

Armin Alexander,          Trainer

Jens Mehrmann,           Co-Trainer

 

Christian Beister,          Spielführer

Matze Rieth,                 2. Spielführer

 

Stellvertretend für die gesamte 1. Mannschaft und Betreuer des SV Erlenbach.